sessio 08 // u2 - daddys gonna pay for your crashed car
You’re a precious stone, you’re out on your own.
You know everyone in the world, but you feel alone.
Daddy won’t let you weep, Daddy won’t let you ache
Daddy gives you as much as you can take.
Aha, sha-la. Aha sha-la.
Daddy’s gonna pay for your crashed car.
nach der wende hat man leicht von erlösung singen: u2, die großmeister der religiösen emphase, bleiben ihren themen treu, auch im weltpolitischen aufbruch der 90-er. aber sie brechen die euphorie, die sie erleben, sie wechseln das genre: der pferdebeschwänzte bono der späten 80-er, eitler prediger für die massen, mutiert zu mr. mcphisto - zu gleichen teilen verruchter satan, selbstverliebter banker, kapitalistischer schnösel. ihrem kult der authentizität schießen u2 nun ironie, sarkasmus und arroganz nach, mit anhaltenden verstörungen in der fangemeinde.
die alten themen bleiben, die affirmation schwindet: mcphisto ironisiert, was man als erlösung verkauft - und entlarvt die kleinen hoffnungen auf versorgung, die hässlichen sehnsüchte nach versicherung, nischen, in denen unreife nistet und projektion: daddys gonna pay for our crashed car - alles wird gut, ohne konsequenzen, kostbarer kleiner stein. was immer du machst, daddy steht dafür gerade, kein schmerz, kein warten, keine tränen: seine kreditkarte gereicht zum heil. es ist das biedermeier des jamba-klingeltons in reichen häusern: daddys gonna pay. sieben tage die woche rundum versorgt, auf watte gebettet, mit zuckerbrot gefüttert: phantasielose paradiese. sie hat macphisto im blick, sie gehören ihm: jene, die alle königreiche haben wollen (mt 4,1-11).
es ist eine kleine fingerübung in religions- und gesellschaftskritik, die bono hier veranstaltet: so kann man erlösung nicht denken. als sei es etwas, das uns aus der verantwortung entlässt, uns nimmt, was unseres ist. die dienstanweisung für einen unterteufel hält freilich fest: in diesem glauben lassen - daddy’s gonna pay for your crashed car, no worries.