sessio 04 // arcade fire - intervention
Been working for the church
While your life falls apart
Singing hallelujah with the fear in your heart
Every spark of friendship and love
Will die without a home
Hear the soldier groan, “We’ll go at it alone”
So funktioniert Religionskritik: Der Irakkrieg-Heimkehrer, der nicht mehr in sein Leben findet; die Orgel als Stilmittel, das inhaltlich für den nötigen drive sorgt; die Sonntagsmesse, die zum Rahmen einer aus den Fugen geratenen Existenz wird; die Kirche, die diese Situation befördert, Kapital daraus schlägt, sie prolongiert. Der eigene Glaube gibt Halt, aber bewältigt nicht - zerfallendes Leben, gängelnde Religion.
Religions- als Gesellschaftskritik: Das Bild des Bürgers, dessen Kirchenbesuch nichts mit dem restlichen Leben zu tun hat, ist Medium von Gesellschaftskritik. Indem Religion angefragt wird, werden auch jene sozialen und politischen Mechanismen offenbar, die Religion nötig machen - und die Kritik wird wechselseitig: Kritisiert wird eben auch Religion, die sich gesellschaftlich verzwecken lässt, eine Funktion hat in Ensembles der Ungerechtigkeit. Aber man hat Religion nicht ‘nötig’, auch christlich nicht: Beziehung zu Gott ist nicht in einem plumpen Sinn notwendig, sondern trägt ein Moment von Luxus in sich, ist kein Ausdruck biographischer oder politischer Sachzwänge, sondern Freiheit.
Arcade Fire sehen das; Win Butler, der Sänger der Band, hat Theologie studiert - und kann Religion und Glauben etwas abgewinnen: “‘Neon Bible’ is addressing religion in a way that only someone who actually cares about it can. It’s really harsh at times, but from the perspective of someone who thinks it has value.” Die harsche, scheinbar externe Religionskritik erweist sich als leidenschaftliche interne.